Zurück zur Normalität

Verständlich, dass nach mehr als einem Jahr Pandemie der Wunsch nach einem Ende dieser kaum mehr zu unterdrücken ist. Die Aussicht darauf darf daher in nahezu keiner Politikerrede fehlen. Nachdem nun schon im 4. Jahr politische Entscheidungen in Pressekonferenzen getroffen werden, wird auch dort das „Zurück zu Normalität“ zum Ziel aller Bemühungen erklärt. Wer bei diesem Medienspektakel nicht mitmacht, kommt in den Medien kaum vor, oder wird lächerlich gemacht.

Doch welche Normalität wird angestrebt, oder zumindest versprochen? Da sind die „äußerst fähigen, Klartext sprechenden Politiker“ (Zitat aus einem Leserinnenbrief, Dezember 2020) eher zurückhaltend. Bleiben wird auf dem Gebiet der Politik. „Dass es den Bundespräsidenten braucht, damit ein Minister den Verfassungsgerichtshof und das Parlament achtet, ist einzigartig in der 2. Republik. Ein moralischer Neuanfang, eine Politik mit Anstand und Respekt vor unserer Demokratie ist dringend notwendig“ (Dr. Pamela Rendi-Wagner, M.Sc.). Das hat zwar auf den ersten Blick weniger mit der Pandemie zu tun, ändert aber nichts an der Notwendigkeit, diesen Schritt ehebaldigst zu tun. Zu Zeiten einer Pandemie geht aber der Versuch einer Wiederbelebung des verheerenden austrofaschistischen Politikstils der 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts im Pandemie-Mediengetöse leicht unter.

Zum Ausgleich und immer auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft haben wir aber Pandemie- und Gesundheitsspezialisten im Nationalrat. Zum Beispiel den oberösterreichischen Abgeordneten Laurenz Pöttinger (ÖVP) aus Grieskirchen: „Sie wissen genau, dass ungefähr ein Drittel all jener, die auf einer Intensivstation liegen, diese Krankheit nicht überleben. Das heißt, Ihre Aufstockung wäre dann in Wirklichkeit auch noch eine Erhöhung, eine wesentliche Erhöhung der Zahl der Toten in diesem Land.“ (Stenografisches Protokoll der 99. Sitzung des Nationalrats in der XXVII. GP am 22. April 2021). Folgt man dieser Logik, hätte ein schlagartiges Schließen aller Intensivstationen ein sofortiges Überleben aller Schwerstkranken zur Folge – wäre doch eine Superlösung und die völlig ausgepowerten Pfleger*Innen und Ärzt*Innen wären auch mit einem Schlag entlastet! Das Lachen bleibt einem im Hals stecken, davor sei aber noch die Frage erlaubt: Wer wählt solche Geistesheroen in den Nationalrat und das schon in Vor-Corona Zeiten?

Zurück zur Normalität und in eigener Sache – eine Ehrenerklärung: Ich habe im Dezember vergangenen Jahres den Ausdruck „Kanzlerdarsteller“ verwendet und wurde dafür, sicher auch zu Recht, kritisiert. Ich sehe ein, dass der Vergleich völlig unangebracht war und leicht von jedem ernsthaften Laiendarsteller als maßlose Beleidigung verstanden werden kann. Ich versichere ausdrücklich, dass es nicht meine Absicht war Laienkünstler auch nur ansatzweise zu beleidigen.

Vorabdruck aus der WAZ – Wohnpark Alterlaa Zeitung, Ausgabe Mai 2021



Kategorien:Österreich, Politik, WAZ

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