Frauen und Gleichstellung im Jahr 2021

Im ZiB-2-Interview zum Internationalen Frauentag am 8. März 2021 empfahl Frauenministerin MMag. Dr. Susanne Raab jungen Frauen sich vermehrt dem Studium von MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zuzuwenden. Dies wurde als der Weg zur finanziellen Gleichstellung mit Männern dargestellt. Dass damit aber keineswegs das Problem für die überwiegende Mehrheit der Frauen gelöst ist, blieb unerwähnt. Schlechter entlohnte Berufe zu meiden führt notgedrungen zur Frage, wer diese dann ausüben soll. Und darauf blieb die Frauenministerin die Antwort schuldig.

Sehen wir uns die Situation am Beispiel von zwei Schwestern an, beide um die 30 Jahre alt und beide heute in ihrem jeweiligen „Traumberuf“ tätig. Die ältere arbeitet als Dipl. Gesundheits- und Krankenschwester/-pfleger in einem Pflegeheim für Schwerstbehinderte. Die jüngere hat ihren Master in Ingenieursgeologie mit anschließend erweiterter Geo-Informatikspezialisierung gemacht und arbeitet heute in einem in Europa führenden österreichischen Geoinformationsunternehmen. Der Gehaltsunterschied liegt bei € 10.000 p.a.: brutto € 36.500 zu € 46.600. Folgt man der Argumentation der Frauenministerin hat die Sozialarbeiterin wohl den „falschen“, niedriger entlohnten, Beruf gewählt.

Jedem einigermaßen klar Denkenden ist klar, dass dies wohl kein akzeptabler Ansatz ist, um die Gleichstellung von Frauen zu erreichen. Noch dazu, wenn man bedenkt, dass es schon jetzt in Österreich einen gravierenden Mangel im für eine funktionierende soziale Gesellschaft so relevanten Pflegebereich gibt. Dies wird derzeit durch den „Billigimport“ von Pflegekräften aus Osteuropa kompensiert, denen die gegenwärtige Regierung zur Belohnung auch noch die Familienbeihilfen europarechtswidrig kürzt. Und ernstzunehmende Prognosen sind mehr als beunruhigend! Bis zum Jahr 2030 werden um die 70.000 neue Pflegekräfte benötigt und daher auszubilden sein. Die auf Basis der bekannten gegenwärtigen Altersstruktur im Pflegebereich und der unschwer vorhersehbaren demographischen Entwicklung erstellte Prognose ist heute unbestritten.

Wenn man/frau sich also Gedanken über die finanzielle Gleichstellung von Frauen macht, muss im Bereich der überwiegend von Frauen erbrachten sozialen Dienstleistungen auf der Einkommensseite eine längst fällige Korrektur, d.h. Anhebung der Gehälter erfolgen. Und das jetzt!

Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass die Eltern der beiden Schwestern allen Grund haben, auf ihre Töchter stolz zu sein. Sie haben wohl die „richtigen“ Berufe gewählt.



Kategorien:Arbeitswelt, Bildung, WAZ, Wirtschaft

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