Endlich: Jetzt geht’s los!

Der 15. Oktober brachte die Entscheidung. Der bisherige Integrationsminister soll endlich das Steuer übernehmen. Ein weniger störrischer Koalitionspartner wird gesucht. Jetzt soll Integration endlich ungehindert entsprechend den von den Boulevardmedien jahrelang vorgegebenen Richtlinien exekutiert werden. Unüberlegte Äußerungen, wie etwa „der Islam gehört zu Österreich“, sind ab sofort zur Anzeige zu bringen. Vergangenes Fehlverhalten wird noch ein letztes Mal entschuldigt. Aber jetzt muss Schluss damit sein!

Immer, überall und jederzeit haben jetzt alle deutsch zu sprechen. „Unsere“ Werte sind lückenlos zu übernehmen und nachweislich zu praktizierten. Die staatliche Exekutive bekommt zur Unterstützung Stadtwachen beziehungsweise Bürgerwehren zur Seite gestellt, wie nach der Machtübernahme in Graz bereits angestrebt. Ob auch an die Installation von Gesinnungs- oder Religionswächtern, etwa nach iranischem Vorbild, gedacht wird, ist noch nicht klar. Erste Versuche in Pflichtschulen nach der Machtübernahme in Oberösterreich wurden von der Mehrheit bisher eher kritisch beurteilt. Da scheint noch etwas an Erziehungsarbeit bei der Mehrheit nötig.

Was bisher unter Integration verstanden wird, hat allerdings nichts mit Integration zu tun. Angestrebt wird eine Assimilation, das heißt ein Angleichen einer gesellschaftlichen Gruppe an eine andere unter Aufgabe eigener Kulturgüter. Woher soll das ein Studienabbrecher auch wissen?

Assimilation bringt aber nicht unbedingt mehr Sicherheit, jedenfalls für die Assimilierten. Erst im vergangenen Jahrhundert haben das auch jahrzehntelang assimilierte jüdischen MitbürgerInnen millionenfach in Ausschwitz schmerzlich erfahren müssen.

Störend für die weitere Entwicklung sind allerdings Journalisten wie Thomas Seifert von der Wiener Zeitung, der noch am 10. Oktober in seinem Leitartikel kritisch anmerkte:

„Selbst die Realität des postdemokratischen Spektakels des real existierenden Wahlkampfs im kleinen Österreich raubt einem den Verstand, die Niedertracht der Boulevardmedien und die Inferiorität mancher Vertreter der politischen Machteliten lassen einen verzweifeln. Der Westen droht von China abgehängt zu werden. Damit Europa, damit Österreich auch in Zukunft mithalten kann, wären Tatendrang, Mut und Energie gefragt. Stattdessen bedient eine verachtenswerte, mit Bildungsdefiziten behaftete politische Klasse die Ängste der Bevölkerung, anstatt Hoffnung auf die Zukunft zu nähren. Ein Wahlkampf, in dem die Themen Wissenschaft, Schule, Uni und Innovation ein Mauerblümchen-Dasein führen, ist genau das, was Bürgermeister Häupl einmal die Zeit „fokussierter Unintelligenz“ genannt hat.“

Für mich zum Trost: Solange Journalisten wie Thomas Seifert unzensuriert in der Wiener Zeitung schreiben dürfen, ist dieses Land nicht endgültig verloren.

Vorabdruck aus der WAZ – Wohnpark Alterlaa Zeitung, Ausgabe November 2017.

 

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