Verantwortungslos oder nur unfähig?

Zweier Jahre Corona-Pandemie haben wir gerade gedacht, und noch immer irrlichtern unsere politisch Verantwortlichen durch die Gegend. Nach zwei Jahren gibt es noch immer kein tagesaktuelles zentrales Infektionsregister. Noch immer sammeln mehrere(!) Ministerien täglich die Daten und gestehen manchmal – wenn es sich gar nicht mehr verbergen lässt – ein, dass sie bei der anfallenden Menge schon auch überfordert sind. Und auf dieser Basis sollen dann aussagekräftige Prognosen als Grundlage für wissensbasierte politische Entscheidungen errechnet werden?

Rechtzeitig, vor anstehenden Landtagswahlen, ließ uns vergangenen Sommer die Regierungsspitze wissen, dass nun die Pandemie vorbei und höchsten nur mehr ein Problem sei, dessen Lösung im Bereich der persönlichen Verantwortung liege. Die Werbung für die Impfung wurde eingestellt, brauchbare Impfinformationen gab es auch vorher selten.

Der Wissenstand in der Bevölkerung ist weitverbreitet erbärmlich. Die daraus resultierenden Ängste vieler Menschen werden gar nicht ernst genommen. Aktuelle Umfragen ergeben, dass über 52% der Bevölkerung glauben, dass man die Krankheit mit Antibiotika heilen kann! Der Unterschied zwischen Bakterien und Viren ist weitgehend unbekannt. Dass Viren zur Vermehrung eines Wirtes, im konkreten Fall eines Menschen bedürfen, wird in unserem Bildungssystem offensichtlich nicht klar vermittelt. Ein Schulsystem, das sich dadurch auszeichnet, dass der/die daraus abgehende „Bildungsbürger:in“ sich durch den Besitz eines Burgtheater- oder Musikvereinsabonnement definiert, der/die, wenn´s hoch hergeht, noch die/den letzten Literaturnobelpreisträger:in kennt und zu Elfriede Jelinek oder Peter Handke eine Meinung hat, ohne jemals auch nur eines ihrer Werke gelesen zu haben, ist nicht nur antiquiert, sondern auch lebensgefährlich.

Naturwissenschaftliches Wissen wird bestenfalls als Schlagwort gewürdigt. Wer kennt die aktuellen Physiknobelpreisträger? Wer hat in unseren Medien mitbekommen, dass einer der drei, der deutsche Meteorologe Klaus Hasselmann ist. Alle drei beschäftigen sich mit der Physik komplexer Systeme, etwa dem Weltklima. Komplexe Systeme zeichnen sich durch Zufälligkeit und Unordnung aus und sind daher sehr schwer zu verstehen. Der heurige Preis geht an neue Methoden, die diese Systeme beschreiben und ihr langfristiges Verhalten vorhersagen können. Die Meteorologen Syukuro Manabe und Klaus Hasselmann  schafften so die Grundlagen für das Verständnis des Weltklimas und des menschlichen Einflusses. Nebenbei, Klaus Hasselmann ist der Vater der grandiosen, in Innsbruck wirkenden Virologin Univ.-Prof. Dr. Dorothee von Laer.

Zurück in den Wohnpark, auf die 6er-Stiege des C-Blocks. Seit einiger Zeit vermisste ich einen Mitbewohner, der regelmäßig mit seinem kleinen Flocki im Park unterwegs war. Man grüßte sich, wie es im Wohnpark halt so üblich ist, jedenfalls unter Menschen meiner Generation. Mehr war es schon nicht. Jetzt erfuhr ich, dass er, ungeimpft, eine irrsinnige Angst vor der Impfung hatte. Die Erde sei ihm leicht.

[Vorabdruck aus der
WAZ – Wohnpark Alterlaa Zeitung
Ausgabe Februar 2022]



Kategorien:Österreich, Bildung, Gesundheit, Politik, WAZ, Wohnpark Alt-Erlaa

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