Offene Rechnungen

„Europa hat die Rechnung für seine durch Jahrhunderte unternommenen Raubzüge quer durch alle Kontinente dieser Erde nie bezahlt, ja hat die von sogenannten Entdeckern und kolonialen Armeen angerichteten Verwüstungen so lange geleugnet, bis der Gestank aus den Massengräbern nicht mehr zu ertragen war.“ Christoph Ransmayr, einer der bedeutendsten lebenden österreichischen Schriftsteller, sprach bei der Verleihung des Würth-Preises für Europäische Literatur 2018 aus, was hier keiner gern hören möchte.

Und doch werden wir uns der Wahrheit stellen müssen. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende! Noch immer basiert unser europäisch-nordamerikanischer Lebensstandard zu einem wesentlichen Teil auf einer nahezu grenzenlosen Ausbeutung der sogenannten „dritten Welt“. Noch immer auch mit tatkräftiger Unterstützung durch lokale willfährige Despoten und Autokraten. Dr. Denis Mukwege hat das in seiner Rede bei der Verleihung des Friedensnobelpreises 2018 am Beispiel der Zustände in der Demokratischen Republik Kongo wieder offengelegt.

Das sollte uns eigentlich endlich zu denken geben. Wie viel noch aufzuarbeiten ist zeigen allerdings aktuelle Vorkommnisse. Eine „Spitzenleistung“ bot dabei ohne Zweifel im vergangenen Sommer eine Salzburger EU-Abgeordnete mit ihrem Facebook-Eintrag: „Wenn wir unsere Gesellschaft, so wie sie ist, bewahren wollen, dann können wir keine Einwanderung aus Afrika zulassen. Es ist kindlich naiv zu glauben, dass ausgerechnet diejenigen Menschen, deren Kulturen nichts anderes produzieren als Leid, Verfolgung, Unterdrückung und Perspektivenlosigkeit, einen positiven Beitrag für Europa leisten können. Afrikaner wollen nicht wie wir Europäer denken und arbeiten, aber gerne wie wir Europäer leben. Würden sie unsere Gesellschaft und Errungenschaften wirklich wollen, dann könnten sie das auch in Afrika verwirklichen.“ Erst nach Protesten, auch aus ihrer eigenen Partei, löschte sie den rassistischen Eintrag und erklärte, dass sie missverstanden(?) wurde.

Die Dame ist leider kein Einzelfall. Nochmals Christoph Ransmayr dazu: „Bildungs- und oft auch ausbildungsferne Minister und Kanzler, beispielsweise in Warschau, in Wien, Budapest oder Prag, die ihre persönlichen Karrieren und ihre monströsen Parteiapparate zumeist nur aus Steuermitteln zu finanzieren vermochten, beanspruchen den auf fremden Rücken gewonnenen Wohlstand als ihre politische Leistung und sind stolz, Flüchtlingen aus geplünderten Rohstoffgebieten Rettungswege abgeschnitten und den Zugang zum jeweils gelobten Land mit Stacheldrahtverhauen und Tränengas verwehrt zu haben.“

Reden wir einmal darüber. Ich habe dazu Dr. Mireille Ngosso, sie kam als 4-Jährige aus dem Kongo nach Österreich, nach Alt-Erlaa eingeladen. Sie kommt am Donnerstag, den 25. April 2019 um 19 Uhr in den Wohnpark Alt-Erlaa, den Veranstaltungsort bitte den lokalen Aushängen zu entnehmen.

Vorabdruck aus der WAZ – Wohnpark Alterlaa Zeitung, Ausgabe März/April 2019.



Kategorien:Arbeitswelt, Österreich, International, Politik, WAZ

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