Fragwürdige Schwerpunktsetzungen

Der ORF informiert in letzter Zeit ausführlich über Opernball und Oscargala. Wann Lugner seinen Gast präsentieren will oder dass die Oscargala in Hollywood ohne Moderator stattfindet, schaffen es sogar in die stündlichen Kurznachrichten. Wahrlich weltbewegend! Hätten die Reden der Friedennobelpreisträger 2018 Dr. Denis Mukwege und Nadia Murad im Dezember nicht zumindest ähnliche Aufmerksamkeit verdient? Mein Angebot zur Informationsergänzung: ein Auszug aus der 40-minütigen Rede von Dr. Denis Mukwege, Gynäkologen im Kongo:

Ich komme aus einem der reichsten Länder unseres Planeten. Dennoch gehören die Menschen meines Landes zu den Ärmsten der Welt. Die traurige Wahrheit ist, dass der Reichtum unserer Bodenschätze – Gold, Coltan, Cobalt und anderer Mineralien – die Grundursache für Krieg, extreme Gewalt und erbärmliche Armut in der Demokratischen Republik Kongo ist. Wir lieben schöne Autos, Schmuck und Geräte. Ich habe selbst ein Smartphone. Diese Dinge enthalten Mineralien, die in unserem Land gefunden werden, abgebaut unter unmenschlichen Bedingungen von Kindern, die Opfer von Einschüchterung und sexueller Gewalt sind. Wenn sie ihr Elektromobil fahren, ihr Smartphone benutzen oder ihren Schmuck bewundern, nehmen sie sich eine Minute Zeit, über die Herstellungsbedingungen dieser Objekte nachzudenken. Als Konsumenten, das Wenigste, was wir tun können ist darauf zu bestehen, dass diese Produkte unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt werden. Diese Tragödie wissentlich zu ignorieren macht uns mitschuldig. Es sind nicht nur die Gewalttäter, die verantwortlich sind für die Verbrechen, es sind auch die, die sich entscheiden, wegzuschauen. Mein Land wird systematisch geplündert von Menschen, die sich unsere Anführer nennen. Geplündert für ihre Macht, geplündert für ihren Wohlstand und Ruhm. Ausgeraubt auf Kosten von Millionen von unschuldigen Männern, Frauen und Kindern, gefangen in extremer Armut. Während die Profite, der Mineralien, in den Taschen der Mächtigen landen. 20 Jahre habe ich jetzt, Tag für Tag, im Panzi Spital, die grauenhaften Folgen der fehlerhaften Misswirtschaft meines Landes gesehen. Säuglinge, Mädchen, junge Frauen, Mütter, Großmütter und auch Männer und Jungen werden auf grausame Art vergewaltigt, oft öffentlich und kollektiv, durch Einschieben von glühend heißem Plastik oder scharfen Objekten in ihre Genitalien. Ich erspare mir die Einzelheiten. Das kongolesische Volk wurde gedemütigt, misshandelt, niedergemetzelt in den letzten zwei Jahrzehnten im Wissen der Völkergemeinschaft. Heutzutage, mit Zugang zur besten Kommunikationstechnik, die wir jemals hatten, kann niemand sagen: „Ich habe das nicht gewusst.“ Mit diesem Friedensnobelpreis, fordere ich die Welt auf, Zeuge zu sein und bitte sie mitzuhelfen, diesem Leid ein Ende zu setzen, dass die Menschheit beschämt. Die Menschen meines Landes brauchen dringend Frieden.



Kategorien:International, Politik, WAZ

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