Überzogen und unrealistisch?

Mag. Dr. Juliane Bogner-Strauß, Bundesministerin für Frauen, Familien und Jugend: „Für mich geht die Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden und die flächendeckende Geschlechterquote von 50 Prozent auf allen Ebenen zu weit.“ Daher keine Unterstützung für das 2. Frauenvolksbegehren! Ebenso keine Unterstützung von den anderen Ministerinnen. „Überzogen“, auf die „unrealistische“ Forderung nach einer 30-Stunden-Woche vergisst keine. Es scheint, dass niemand das Volksbegehren wirklich gelesen hat. Zur Erinnerung der entsprechende Teil im Original:

Arbeit verteilen. Das ist gerecht!
Frauen stemmen zwei Drittel aller unbezahlten Haus- und Sorgearbeit und werden daher oft in zeitlich befristete und niedrig entlohnte Teilzeitarbeit gedrängt. Eine allgemeine 30-Stunden-Woche soll schrittweise eine gleiche Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit schaffen und ein gutes Leben für alle ermöglichen.

Es geht also primär um eine gerechte Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Männern und Frauen. Das ist wohl eine der wesentlichen Voraussetzungen für die volle Gleichberechtigung, eine Vorstellung, die 2018 nicht ganz so abwegig sein sollte.

Zur Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer 30-Stunden-Woche sei an die bisherige Geschichte von Arbeitszeitverkürzungen erinnert. Seit der Weltwirtschaftskrise 1974/75 steht die Aufteilung der vorhandenen Arbeit auf alle ArbeitnehmerInnen im Vordergrund. Vor 30(!) Jahren beschloss der ÖGB einstimmig die Forderung nach der 35-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich. Die bisherigen Arbeitszeitverkürzungen wurden alle bei vollem Lohnausgleich durchgeführt, das heißt die Stundenlöhne wurden so angehoben, dass die ArbeitnehmerInnen keine Lohneinbußen hinnehmen mussten. Parallel zu den Arbeitszeitverkürzungen von 48 auf 45 und von 45 auf 40 Stunden wurden die Reallöhne zwischen 1958 und 1975 verdoppelt. Es zeigt sich daher, dass die Arbeitszeitverkürzung nicht in erster Linie davon abhängt, ob sie die Wirtschaft „verkraftet“, sondern wie das Kräfteverhältnis zwischen Gewerkschaft und Unternehmern liegt.

Auch sei daran erinnert: Die von Frauen geleistet Arbeit bildet das Rückgrat unserer Gesellschaft. Oftmals ungesehen und unter- oder schlicht falsch bewertet die überwiegende, gesellschaftlich notwendige Arbeit von Frauen erbracht. Diese Leistungen müssen sichtbarer, gerechter verteilt und anerkannter werden. Frauen sollen ein sozial sicheres und ökonomisch unabhängiges Leben führen können. Notwendig dafür ist die Neubewertung und Umverteilung von Arbeit und Zeit sowie Einkommenstransparenz und -gerechtigkeit.



Kategorien:Arbeitswelt, Österreich, Politik, WAZ

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