Die 4. Macht im Staat

Zeitungs-, Radio- und Fernsehmacher sehen sich gerne als 4. Macht im Staate. Gern stellt man sich auf eine Ebene mit Gesetzgeber, Regierung und Justiz. Mit welcher Legitimation? Dem Boten reicht es nicht mehr, seiner eigentlichen Aufgabe, der fehlerlosen Überbringung von Informationen, nachzukommen. Wie führe ich am besten den Interviewpartnern vor, wenn er nicht meiner Meinung ist, mache ihn/sie wenn möglich auch gleich lächerlich, scheint ein Dauerwettbewerb, nicht nur vor Wahlen, zu sein.

Um nicht missverstanden zu werden, natürlich steht auch JournalistInnen zu, eine eigene Meinung zu haben. Die kann auch publiziert werden. Aber getrennt von den Nachrichten als Kommentar! Qualitätszeitungen erkennt man an dieser klaren Trennung. In deutschen TV-Nachrichten bemüht man sich, den Kommentar von den Nachrichten zu trennen. Gelingt nicht immer, aber man bemüht sich wenigstens.

Davon ist z.B. der ORF meilenweit entfernt. Schlechte Vorbereitung oder phantasielose Fragen sind leider nicht die Ausnahme. Wenn z.B. Mitte Mai eine Magazinmoderatorin den Bundeskanzler zu Widersprüchen in seinem Plan A befragt und sich empfehlen lassen muss, diesen erst einmal zu lesen, ist das ein Armutszeugnis der Sonderklasse nicht nur für die Moderatorin, sondern auch für ihre Redaktion. Wenn in ZIB2 oder Sonntags-Pressestunde immer wieder die gleiche Frage nach einer Festlegung auf Koalitionen nach der Wahl gestellt werden, und von Oppositions- z.B. Martin Strolz – wie Regierungsseite – z.B. Christian Kern – die naheliegende Antwort kommt, man müsse sich zuerst ansehen, mit wem man möglichst viel von den eigenen Vorstellungen verwirklichen kann, zeigt das von geringer Lernfähigkeit der JournalistInnen.

Mangel an guten Fragen gibt es ja nicht. Einige Beispiele:

OECD und Internationaler Währungsfond weisen zu Recht darauf hin, dass der Neoliberalismus und die haltlose Deregulierung der Finanzmärkte zu einer massiven Verschärfung der globalen Ungleichheit geführt haben. Dies Ungleichheit zersetzt unsere Gesellschaft. Was muss dagegen unternommen werden?

Martin Wolf, Chefkolumnist der Financial Times, der Bibel des Finanzkapitalismus, fordert, unser Steueraufkommen von Lohnsteuern in Richtung Vermögenssteuern zu entwickeln, um unseren Sozialstaat und unsere Wirtschaft finanzieren zu können. In Österreich gibt es noch ein paar Schlafwandler, die den öffentlichen Diskurs bestimmen und erklären, das einzig Wichtige sei es, unsere Schulden ohne Rücksicht auf Wachstum und Beschäftigung zu reduzieren. Sind diese wählbar?

Noch eine Empfehlung als Sommerlektüre: Hans Holzinger: Von nichts zu viel – für alle genug (Perspektiven eines neuen Wohlstands) um € 19,60 in jeder guten Buchhandlung.

Vorabdruck aus der WAZ – Wohnpark Alterlaa Zeitung, Ausgabe Juni/Juli 2017



Kategorien:Österreich, Medien, Politik, WAZ

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